Nachdem die erste Woche noch dazu da war, um die ganzen neuen Eindrücke aufzunehmen und zu verarbeiten, was nicht einmal ansatzweise möglich war, ging es für mich am 29.08. das erste Mal mit auf eine Tour. Das klingt natürlich alles schön und wie Urlaub, jedoch war das ultimative Ziel für uns die Touren mit zu begleiten, um letztendlich in der Position als deutschsprachiger Übersetzer agieren zu können. Ich folgte nun also einer deutschen Gruppe von sieben Personen.
Erster Tag
Am ersten Tag ging es zu den Orang Utan und danach auf Citytour durch Kuching. Ich freute mich riesig drauf, war es wieder einmal eine Gelegenheit mehr aus Kuching rauszukommen und die Umgebung kennenzulernen. Dazu wechselte ich nun die Perspektive und versuchte zumindest die Sichtweise eines Tour Guides zu adoptieren. Zudem wollte ich probieren die Reaktionen bzw. das Benehmen der Touristen zu beobachten, da diese Fähigkeiten den Unterschied auf solchen Touren ausmachen können. Das gute war aber auch, dass ich diese Aufgabe mit relativer Gelassenheit angehen konnte, da ich die Tour gleichzeitig als Tourist anging, da es eben die erste war. Daher fühlte es sich nicht unbedingt nach Arbeit an, weil ich eben auch starkes Interesse für diese Themen entwickelt hatte.
Im Bus gab es erst einmal eine Einleitung zu dem Semenggoh Orang Utan Rehabilitationszentrum sowie zu den Tieren selber. Es war unglaublich interessant, was das für Tiere sind, über die man normalerweise eigentlich nicht sehr viel weiß bzw. hört. Aber es ist auch schockierend, mit welchen Gefahren diese einzig in Asien vorkommende Art der Menschenaffen zu kämpfen haben und das solche Rehabilitationszentren eine solche Tierart erhalten können, aber keineswegs der perfekte Ausweg aus dieser Misere sind.
Zuerst wollten sich die Orang Utans nicht blicken lassen und wir verständigten uns schon darauf es am Nachmittag noch einmal zu versuchen. Doch dann plötzlich bewegte sich hoch in den Bäumen etwas, aber noch ca70 bis 80m entfernt. Man konnte jedoch schon einen recht großen und rotbraunen Körper ausmachen. Es war definitiv ein Orang Utan – und er bewegte sich in unsere Richtung! Wir konnten den Orang Utan dabei beobachten, wie er sich mit höchster Geschicklichkeit von Ast zu Ast hangelte. Dies ist vor allem möglich wegen ihrer flexiblen Hüftknochen, durch die sie unglaubliche Mobilität erhalten. Ich dachte mir nur: So eine Hüfte will ich auch haben, wenn es im Alter mal nicht mehr klappt!
Nach einigen Minuten kam der Orang Utan schließlich bei der Futterstelle an und noch ein zweiter ließ sich kurz darauf blicken. Damit konnte ich eigentlich ganz zufrieden sein, doch das Highlight sollte noch folgen. Nachdem wir zurück zum Eingang gingen begrüßte uns schon ein Orang Utan bei der zweiten Futterstelle. Es war Seduku, die älteste der Orang Utan mit 40 Jahren, mit Kind. Dabei bewegte sie sich kurz darauf am Boden fort und kletterte auf den Gehweg und kam uns Gästen dabei sehr, sehr nah, sodass wir zwischenzeitlich gerade einmal drei bis vier Meter entfernt von einem Orang Utan stand. Wir mussten uns aber darauf schleunigst weiter zurückziehen, denn ein Orang Utan ist ungefähr fünf Mal stärker als ein Mensch, sodass jede Ringeinlage mit solch einem Tier ziemlich einseitig ausgehen würde. Jedoch war Seduku nicht gerade aggressiv, aber man musste ja kein unnötiges Risiko eingehen. Jedenfalls war das schon einmal ein sehr erfolgreicher und spannender Besuch des Rehabilitationszentrums.
Wie sollte die Stadttour jetzt mit den Orang Utans mithalten? Sie konnte nicht, aber es war trotzdem interessanter als man hätte annehmen können. Kuching sprüht nur so von Historie, wie man anhand von Geschichten bzw. Gebäuden erkennen kann. Malaysias Geschichte ist gekennzeichnet von vielen Machtwechseln genauso wie Einflüssen verschiedenster Kulturen, die Malaysia zu dem heutigen Ort gemacht haben. Borneo Malaysia’s Geschichte muss noch differenzierter behandelt werden aufgrund der vielen eingeborenen Völker, die die Kultur und Geschichte, speziell von Sarawak, mitgeprägt haben. Das Highlight der Stadttour ist das Sarawak Museum, welches eines der besten Museen im Südost-Asiatischen Raum ist und über die Flora und Kultur Sarawaks bzw. Borneos aufklärt. Die Stadttour beantwortete mir viele Fragen, die ich mir überhaupt noch nicht gestellt bzw. über die ich noch nicht nachgedacht hatte. Das war definitiv ein sehr schöner Auftakt zu einer perfekten Woche! =)
Zweiter Tag
Der Tag begann sehr gechillt, da es erst 11 Uhr mit den Guides zum Mittagessen ging. Danach wurden die Gäste abgeholt und es ging Richtung Permai Rainforest Resort (45 Min von Kuching an der Küste), was sich durch seine Baumhäuser einen Namen in der nationalen Tourismusbranche gemacht hat. Dort angekommen bezogen der Guide und ich leider keins von den Baumhäusern, sondern „nur“ eine Kabine, die jedoch voll ausreichte. Zudem haben wir als Tour Guides die Möglichkeit Strände und Pool sowie das Aktivitätsprogramm des Resorts zu nutzen, welche teilweise sogar kostenlos sind, wie beispielsweise das Ozeankajak fahren. Auch wenn man diese nicht nutzt, ist es trotzdem schön zu wissen, dass sie da sind.
Nachmittags ging es in das Sarawak Cultural Village in dem man die Nachbauten von verschiedenen ansässigen Völkern in Sarawak besichtigen kann. Es ist ganz interessant gewesen, da es Aufschlüsse über die jeweiligen Kulturen und ihre Bauweisen gibt. Zu guter Letzt findet immer eine Tanzvorführung statt in der die Tänze der Völker veranschaulicht werden. Auf jeden Fall einen Besuch wert.
Dritter Tag
Eines der Highlights der Touren die angeboten werden ist sicherlich die 3-in-1 Tour. Diese beinhaltet Delfinbeobachtung, Mangrovenfahrt und Krokodile suchen sowie auf die kleine paradiesische Schildkröteninsel Satang fahren zum Mittagessen. Dort bleibt man noch ein kleines Weilchen und fährt am frühen Nachmittag zurück nach Permai.
Die Tour begann damit, dass wir sofort Delfine sehen konnten als wir mit dem Boot in die Bucht fuhren. Es sind jedoch nicht die verspielten Bottlenose Delfine mit den langen Schnauzen wie Flipper, sondern Delfine, die eine kurze Schnauze und runden Kopf haben, die eher an Belugawale erinnern. Daher werden sie unter Insidern auch Ein-Sekunden-Delfin genannt, da man sie nur beim kurzen Auftauchen erspähen kann und das war das dann auch schon wieder. Jedenfalls, wenn man die ganzen Sekunden von diesem Tag zusammenzählt, sind wir bestimmt schon auf eine knappe Minute gekommen.
Danach ging es in die Mangroven und eines muss man dort haben – Geduld! Krokodile wollen nicht gesehen werden, verstecken sich eigentlich tiefer in den Mangroven und sind dazu noch perfekt getarnt. Aber auch im Wasser sieht man sie eigentlich nicht, der Boden ist schlammig und damit ein perfekter Jagdgrund für dieses Reptil. Die Reptilien, die wir suchten waren Salzwasserkrokodile, die um Einiges Größer und gefährlicher sind als ihre Kollegen aus den Süßwassergewässern. Das größte lebendgefangene Salzwasserkrokodil wurde übrigens vor kurzem in den Philippinen gefangen und kommt auf eine beachtliche Größe von 6,4m. Da geht aber gewöhnlich noch Einiges mehr.
Auf jeden Fall haben wir uns dumm und dämlich gesucht bis schließlich unser Bootsmann eins fand und das war pures Glück für uns, denn wir wären ganz gemütlich vorbeigefahren. Ungefähr zwei Meter lang lag es ganz relaxt in einer Ecke eines Mangrovenbaums und konnte glücklicherweise auch nicht mehr ins Wasser entwischen. Wir hatten es eingekesselt – muhahaha! Deshalb konnten wir unglaublich nah ran und gute Fotos machen. Das blieb leider auch das Einzige Krokodil an diesem Tag, aber definitiv schon ein Erfolgserlebnis.
Die letzte Station, die Satang-Insel, war einfach nur schön. Ein von Regenwald umhülltes Paradies mit einem herrlichen Strand, der jährlich von Mai bis September von Meeresschildkröten aufgesucht wird um Eier abzulegen. Einfach alles nur supergechillt und ein besonderer Abschluss dieses Trips.
Vierter/Fünfter Tag
Die letzte Station meiner ersten Tour war der Bako National Park. Dieser Ort ist nicht nur der älteste National Park Sarawaks, sondern stellt auch die wahrscheinlich größte Chance dar verschiedenste wilde Tiere und Pflanzen zu sehen. Es gibt viele Wanderrouten bei denen jeder auf seine Kosten kommt.
Bei den Längen der Routen, beispielsweise 800m, dachte ich mir zuerst, das ist ja ein Klacks und dann ist man ja schon nach 15min durch mit dem Programm. Stellte sich dann jedoch schwieriger dar. Die Routen sind sehr anstrengend und es ist von Beginn an ein Kampf gegen den Dschungel. Dazu kommt noch die Hitze, die einen ziemlich schnell zum Schwitzen bringt. Dennoch hatte ich viel Spaß an der Sache und wir sahen die ersten Langnasenaffen, wenn auch noch etwas weiter entfernt. Aber zum Glück blieben wir ja über Nacht, sodass wir noch am nächsten Tag Chance auf weitere Sichtungen hatten. Zudem sahen wir noch eine Grubenotter, bei deren Biss man ungefähr noch 4 Stunden hat, Wildschweine, einen fliegenden Lemur und Makaken.
Das einzige Problem an diesem Tag war nur, dass wir kein Wasser hatten. In Bako hatte es schon eine ganze Weile nicht mehr geregnet und frisches Wasser kam vom Fluss. Nur leider war der Wasserstand so niedrig, dass der Fluss rein gar nichts mehr hergab. Dies war natürlich alles andere als super, da wir sicher nicht mehr unbedingt nach frischer Wiese rochen sondern eher nach verdorbenem Abfall, aber wenigstens hatten wir alle das gleiche Leid. Abends begann es tatsächlich noch zu regnen und Hoffnung nach einer frischen Dusche machte sich breit, aber das war nur ein Tropfen auf den heißen Stein und, im Gegenteil, verdarb dieser uns noch die geplante Nachtwanderung. Verdammtes Wetter!
Die Unterkunft war alles andere als goldig und es gab nicht einmal Decken. Hallo?! Egal wie heiß es ist, ohne Decke/ Laken schlafen geht einfach nicht, sodass ich letztendlich wirklich auf das Laken zurückgreifen musste. Diese Nacht hab ich tatsächlich auch das erste Mal gefroren, hauptsächlich wegen dem Ventilator. Zugegebenermaßen war ich aber auch zu faul im Halbschlaf diesen auszuschalten.
Der zweite Tag in Bako war ähnlich dem ersten, nur dass wir die Nasenaffen viel näher erleben konnten. Echt super! Nach dem Mittag wurde bis zur Rückfahrt eigentlich nur noch gechillt, da die Gäste alle k.o. waren von dem Wandern und sie auch nur wegen den Tieren da waren, die sie nun alle gesehen hatten. So waren wir alle am späten Nachmittag wieder in Kuching und meine erste Tour war vorbei. Fantastische Woche!
Und der Tag war noch nicht vorbei, denn Frederik und ich waren bei dem Oberboss von unserer Firma eingeladen. Der Anlass war bezüglich des Fastenmonats, der zu Ende gegangen war, sodass man jetzt Hari Raya feierte und jeder der Bekannt war darf kommen; wir als Angestellte der Firma also auch. Wir fuhren dort nun mit einem anderen Tour Guide vor und dieses Haus kann man gar nicht beschreiben. Man sieht einfach, dass die Leute millionenschwer sind und wahrscheinlich eine der einflussreichsten in Kuching bzw. Sarawak. Es war purer Prunk – überall! Das Beste ist aber, dass diese Familie es von unten nach oben geschafft hat und dies auch nicht vergessen hat, sodass sie regelmäßig für wohltätige Zwecke spendet. Jedenfalls, auf dem Fest waren Frederik und ich natürlich wieder einmal die einzigen „Weißen“, aber wir waren es jetzt schon langsam gewohnt. Wir blieben dort auch nur zum Abendessen, was natürlich alle erste Sahne war, und gingen schließlich wieder nach Hause. Perfekte Woche!
Das klingt so wahnsinnig spannend und toll, was du da machst! :) Bring mir n Orang-Utan mit, okay? Ich werd mich auch gut um ihn kümmern. ;)
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