Samstag, 18. Februar 2012

Weihnachtszeit in Kuching

Heute mal ein kleiner Bericht wie ich so die Weihnachtszeit erlebt habe. Also es waren durchweg immer ca. 30°C, sodass ich mich nicht sonderlich auf Weihnachten fokussiert hatte. Doch plötzlich standen mir im Supermarkt Verkäuferinnen mit Weihnachtsmützen gegenüber, aus den Lautsprecherboxen klangen Lieder wie Let it Snow oder White Christmas und es gab Weihnachtsschmuck zu kaufen. Meine erste Begegnung mit Weihnachten in den Tropen war mehr als paradox und auch bei den nächsten wurde es nicht besser. Wie kann man bei solchem Wetter an Weihnachten denken? Nur im Büro bei gefühlten Minusgraden durch die Klimaanlage hätte ich eventuell winterliche Gefühle entwickeln können, aber auch dies hielt sich in Grenzen. Es war übrigens Ende November kurz vor dem Ausflug nach Singapur. Als ich wiederkam, war es noch um einiges heftiger mit dem Weihnachtsschmuck.

Ich hatte ja schon erwähnt, dass Singapur sich sehr groß auf Weihnachten vorbereitete. Überall sah man Weihnachtsbäume, Figuren oder dergleichen. Es war ein verdammt aufdringliches Weihnachten, als ob dir ein Verkäufer etwas aufschwatzt, was du eigentlich nicht haben willst. Nur ich wurde von Weihnachten regelrecht verfolgt. Es war überall.

Wie es aber so ist, beginnt man sich mit der Zeit an die neuen Bedingungen anzupassen und die nächsten Wochen schaffte ich es beinahe, Weihnachten komplett auszublenden. Dann auf einmal holte es mich wieder ein als ich das erste Mal in dieser Weihnachtszeit „Last Christmas“ hörte. Ich spürte in diesem Moment nur noch Abneigung. Ich hatte mich gerade mit den neuen Umständen arrangiert und hatte bis dato noch nicht ein einziges Mal dieses Lied gehört, dass ich nicht nur nicht mag, nein, ich würde es kaputttreten und in die Tonne werfen, wenn ich es könnte. Das ist nicht weil es schlecht ist, sondern weil es in meinem Leben einfach schon viel zu oft gespielt wurde. Einfacher gesagt: Weihnachten ließ nicht locker!

In Weihnachtsstimmung kam ich dennoch nicht wirklich. Das schaffte nicht einmal die Weihnachtsparade, die Frederik und ich zufällig eines Abends sahen. Diese war wohl von der kirchlichen Gemeinde organisiert und es waren bestimmt einige Tausend Leute in Kuching’s Zentrum unterwegs. Lustig war nur, dass alle uns „Frohe Weihnachten“ wünschten und es teilweise sogar mehrmals sagten bzw. schrien nur um unsere Aufmerksamkeit zu bekommen. Natürlich weil wir weiß sind. Sooft wie an diesem Abend habe ich in meinem Leben noch nicht Frohe Weihnachten gewünscht. Aber es war ganz witzig….

Der Massenauflauf ließ sich außerdem eher mit Fanaufläufen zu Fußballspielen in Deutschland vergleichen, nur dass Weihnachtslieder und ähnliches gesungen wurde statt Fußballparolen.

Meine Weihnachtsvorfreude sollte sich aber nicht direkt auf Weihnachten konzentrieren, sondern eher auf den Fakt, dass meine Eltern und meine Schwester bald kommen würden. Zudem sollten auch Frederik’s Eltern zu diesem Zeitpunkt da sein, sodass schon eine ereignisreiche Reise geplant wurde um ihnen alle wichtigen Highlights in Kuching und Umgebung zu zeigen.

Montag, 13. Februar 2012

Singapur – A Fine City

Ende November hatten Frederik und ich nun die Möglichkeit das erste Mal etwas anderes in Südostasien zu besuchen, da wir einige Tage von der Arbeit frei bekamen. Da einer der Arbeitstage in dieser Woche auch noch ein Feiertag war, hatten wir eine relativ kurze Arbeitswoche von Dienstag bis… ja das war es auch schon! Am Mittwoch ging es dann vormittags nach Singapur, was wirklich nur ein Katzensprung entfernt ist (knappe anderthalb Stunden) und zudem auch noch sehr preiswert, wenn man mit Air Asia fliegt.

Aus der Luft fallen erst einmal die vielen Frachter auf der See auf, die am Anfang nur vereinzelt zu sehen sind, aber umso näher man der Küstenlinie kommt umso zahlreicher werden sie, was schon spektakulär aussieht. Das liegt natürlich daran, dass Singapur einen der größten Frachthäfen der Welt besitzt und genau an der Straße von Malakka liegt. Außerdem konnte ich aus der Luft schon den ersten Blick auf die Skyline von Singapur werfen mit all den Wolkenkratzern. Nach guten drei Monaten Borneo, war der Anblick von so hohen und vielen Gebäuden ein fantastischer Anblick.


Singapur hat ja allgemein den Ruf ziemlich teuer zu sein und wo quasi alles verboten ist (deswegen auch die Doppeldeutigkeit mit Fine City, da Fine Geldstrafe heißt, aber auch schön bzw. gut). Beides ist auch wahr. Von Beginn an sieht man überall Schilder: Kaugummi verboten, kein Essen und Trinken, kein spucken und nicht mal im Fahrstuhl urinieren kann man. Also spätestens da war ich schon wieder fast am Umdrehen. Ich meine kein rumspucken und im Fahrstuhl urinieren, ich wusste nicht, wie ich das fünf Tage ohne aushalten sollte. Aber auf der anderen Seite sind Gesetze ja auch da um gebrochen zu werden... ;-)


Vom Flughafen ging es direkt zum Hostel, dem InnCrowd Backpacker Hostel, welches uns von einer Uniprofessorin in Kuching empfohlen wurde. Das Hostel war preiswert für seine Lage in Little India, dem indischen Viertel, sodass man die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Singapur schnell erreichen konnte. Außerdem hatte das Hostel auch noch eine Bar mit sehr preiswertem Bier, was natürlich auch noch ein triftiger Grund war, in diesem statt in einem anderen Hostel zu übernachten.



Nach dem ersten Bier in Singapur gingen wir los um die Stadt ein wenig zu erkunden. Wir bemerkten bald, dass das eigentlich alles zu Fuß erreichbar war, sodass wir von Little India (es laufen wirklich überall Inder lang) Richtung Chinatown liefen, von dort nach Clark Quay (hier findet das Singapur Nachtleben statt, aber auch teuer) sowie Marina Bay und dann zurück. Zwischendurch liefen wir durch einen Park in dem es auch Chillibäume gab. Diese Schoten waren sehr klein und daher sehr, sehr scharf, aber da wir ja schon knapp vier Monate Erfahrung mit Chilli hatten, probierten wir sie. Schon ein kleiner Bissen genügt und es brennt in meinem Mund, aber irgendwie schmeckt es auch wieder, sodass ich mir eine Chillischote mitnahm so als kleinen Snack zwischendurch.
Die Stadt ist sehr schön und sehenswert, sauber und man wird als weiße Person einfach mal nicht angestarrt, weil es viele davon gibt. Die Anonymität in der Großstadt war mal wieder ganz schön.

Da es Ende November war, war alles auch schon weihnachtlich geschmückt, so konnten überall Weihnachtsbäume, Rentiere oder sonst dergleichen bestaunt werden. Daneben standen oft Leute in T-Shirt und kurzer Hose. Bei über 30 Grad fühlte ich mich jedoch alles andere als an Weihnachten erinnert. In den Tropen ist das Wetter eben ein bisschen anders, denn draußen ist es warm und drinnen kalt durch die Klimaanlagen. Es ist ganz witzig, weil wenn man drinnen in der kühlen Luft sitzt und es draußen regnet und das Wetter nur grau in grau ist, wie in Singapur der Fall war, dann guckt man aus dem Fenster und denkt sich, dass man jetzt nicht rausgehen will in dieses eklige kühle Wetter. Dabei ist es draußen sehr viel angenehmer als drinnen, wenn die Klimaanlagen die Raumtemperatur auf 18 Grad abkühlen. Zudem ist es nicht selten der Fall, dass man durch die Straßen läuft, plötzlich neben dir eine Tür von einer Bank oder etwas ähnlichem aufgeht und dir einfach mal ein verdammt kalter Luftstoß entgegen kommt. Das ist sozusagen der tropische Winter, man findet ihn ausschließlich in Gebäuden, aber schneien tut es dennoch nicht.

Mein Highlight ist auf jeden Fall Marina Bay, weil man dort erstens den Merlion hat, sowie die Skyline von Singapur. Außerdem steht dort auch das neuste architektonische Werk Singapurs, das Marina Bay Sands, ein gigantisches Luxushotel.



Ein weiteres Highlight folgte am Abend. Da wir uns schon seit Monaten quasi nur von Reis und Nudeln ernährten, suchten wir in Singapur nach etwas anderem und wir haben das beste Restaurant gefunden, das Münchner Hofbräuhaus. Nur witzig, dass ich nach Singapur fliegen muss um mal Münchner Kultur zu erleben. Naja, ich glaube nicht, dass das wirklich München ist, was ich dort gesehen habe, aber das Essen war es definitiv – und das war die Hauptsache. So gab es für mich Wienerschnitzel mit Bratkartoffeln und Preiselbeeren sowie ein Münchner Lager. Um hier noch einen draufzusetzen: Nachtisch gab es auch noch – Kaiserschmarrn! Mal ehrlich, wie geil ist das?! Und es schmeckte sooooo gut…. Auch wenn es ziemlich teuer war, wahrscheinlich das teuerste Essen, dass ich je bezahlt habe, aber wo ich das hier so schreibe, erlebe ich diese Geschmacksbomben gleich noch einmal… also doch nicht so teuer, einmal bezahlt und zwei Mal geschmeckt! :D
Dieses Abendessen hatten wir uns aber auch verdient, da wir den ganzen Tag umhergelaufen waren, schon sechs bis sieben Stunden.


Am nächsten Tag besuchten wir den botanischen Garten, da der ganz schön sein sollte und wir schon so lange keinen Regenwald mehr gesehen hatten. Außerdem ist der Garten kostenlos. Natürlich ging es erst los nachdem wir ordentlich ausgeschlafen hatten, also so mittags. Der Garten war auch ganz schön angelegt und wir liefen erst ein paar Stunden da durch und danach ging es schon wieder Richtung Hostel, denn es wartete schon das nächste Highlight auf uns.
Bei unserer Ankunft hatten wir uns für eine Xooter Citytour eingetragen. Ihr fragt euch sicher, was ist ein Xooter, kann ich das essen? Nein, essen kann man es nicht, vielmehr ist das ein stinknormaler Roller mit dem wir dann durch die Straßen fuhren. Mit dabei waren ungefähr noch sechs andere Personen plus zwei Guides. Als Rollergang fuhren wir durch die Straßen Singapurs und sahen noch einmal viele Sachen, die wir den Tag zuvor schon gesehen hatten. Jedoch war es durch die sportliche Aktivität etwas Neues und machte zudem sehr viel mehr Spaß. Zum Abendessen hielten wir an einem Essenstand für dessen Sitzplätze abends immer die Straße gesperrt wird. Kaum zu glauben, dass dies möglich ist, aber in Singapur funktioniert es. Nach dem gut bekannten Satay zum Abendessen rauschten wir weiter durch die Straßen Singapurs, oft auch auf Wegen auf denen unsere Fortbewegungsmethode nicht unbedingt legal war. Hauptsache Spaß sag ich da….!

Nach ca. 5 Stunden war diese Tour vorbei und wir gesellten uns alle in die eigene Hostel-Bar. Solche Touren haben den Vorteil, dass man sehr schnell verschiedene Leute kennenlernt und so saßen wir abends mit einem Amerikanisch-Britischem Pärchen, Bill und Jane, und einem weiteren Berliner, Rudi, zusammen. Das Pärchen war schon etwas älter, aber noch voller Elan und die Geschichten waren einfach immer sehr, sehr amüsant, sodass wir jede Menge zu lachen hatten.

Den darauffolgenden Tag schloss sich Rudi uns an, den wir den Tag zuvor kennengelernt hatten und wir entschieden uns für die Gondeltour, um uns den Mount Faber sowie Sentosa Island anzuschauen. Vom Mount Faber hat man eine super Aussicht über die Stadt und man kann so ganz gemütlich eine Runde dort oben laufen. Auf einer Brücke brachen wir erneut eines der Gesetze und machten ein Wettbewerb, wessen Spucke von einer Brücke zuerst unten auf dem Boden ankommen würde. Zur Erinnerung, spucken ist verboten und wird mit 1000 Singapur Dollar bestraft. Aber wir waren ja jetzt Mitglieder der berüchtigten Hostel Rollergang und um die Gesetze scherten wir uns deshalb nicht mehr. Sentosa Island ist das Freizeitresort, was derzeit noch erweitert wird und eines der größten Attraktionen Singapurs werden soll bzw. schon ist. Unter anderem gibt es dort ein Aquarium und die Universal Studios. Da dies alles sehr kostspielig ist, schauten wir uns die ganze Geschichte nur einmal an. Den großen Abschluss bildete eine spaßige Fahrt auf etwas Ähnlichem wie einer Sommerrodelbahn bevor es mit der Gondel zurück zum Stadtzentrum ging.

Abends saßen wir wieder mit anderen Reisenden im Hostel zusammen und diesmal wurde ein wenig mehr und schneller getrunken, was natürlich auch noch Auswirkungen auf den nächsten Tag haben würde. Aber auch dafür waren wir ja hier.

Der nächste Tag begann wegen der relativ kurzen Nacht erst nachmittags und sollte auch nicht viel bereithalten. Wir rafften uns schließlich auf und wollten uns mal die Orchard Street, die als Shoppingmeile bekannt ist, anschauen. Anscheinend sollte es hier unglaubliche Malls geben. Naja, also so spannend fand ich die jetzt nicht, wobei die Zielgruppe wahrscheinlich auch eher weiblich sein dürfte. Jedenfalls aßen wir dort etwas und fuhren wieder zurück zum Hostel. Dort trafen wir auf neue Reisende und gingen abends mit denen noch etwas essen. Danach gesellten wir uns zusammen mit denen noch ins Hostel und ließen den letzten Abend ruhig ausklingen. Am nächsten Tag sollte es ja schon wieder vorbei sein mit dem Urlaub und es ging zurück nach Kuching.

Vor dem Rückflug, der erst am späten Nachmittag war, schauten wir uns noch den Flughafen an, denn der soll angeblich einer der besten der Welt sein. So spannend ist der Flughafen dann doch nicht, aber sehr übersichtlich und keinesfalls hektisch, was sehr angenehm ist. Überall sieht man zudem die Angry Birds, was momentan so eine Art Modespiel für IPod, IPad, Computer und Handy ist. So kann man, wenn man mit Visa einen bestimmten Betrag zahlt noch einen Angry Bird Kuscheltier dazubekommen. Eine Frau hatte tatsächlich drei Tüten mit Angry Birds, wahrscheinlich neun oder zehn Stück – und die sind ziemlich riesig. Ziemlich verrückt! Die letzte Stunde Aufenthalt schauten wir uns noch den Kaktusgarten an (auch seltsam, dass ein Flughafen sowas hat) und danach guckten wir Tom & Jerry Cartoons – richtig gut! Joa, dat war dit.
Der Rückflug ging ohne Probleme über die Bühne, nur meine Sonnenbrille ist durch irgendeinen blöden Zufall die Rückreise nicht angetreten und ist wohl immer noch in Singapur unterwegs oder hatte gesehen, dass um die gleiche Zeit ein Flug nach Bali ging und lieber den genommen. Naja, Loyalität hat wohl keinerlei Bedeutung für eine Sonnenbrille.

Im Großen und Ganzen ist Singapur auf jeden Fall zu empfehlen, da es sehr multikulturell ist und daher viele verschieden interessante Facetten hat. Da unser Budget nicht groß war, haben wir uns eher auf die kostengünstigen bzw. kostenlosen Sachen fokussiert. Wenn man das Budget hat, gibt es natürlich noch viel mehr zu erleben, wie den Zoo mit der Nachtsafari, die Universal Studios und den Jurong Bird Park. Zudem tat es gut mal wieder mit westlicher Kultur in Kontakt zu kommen, natürlich noch nicht komplett wie in Europa, aber schon sehr nahe dran. Ich konnte hiermit mein erstes Kreuz hinter eines meiner Reiseziele während meines Borneoaufenthaltes setzen.