Meine letzte Tour ging Ende Oktober zu Ende und das hieß, dass ich mich nach vier Wochen Touren führen nun von der aufregenden Arbeit als Tour Guide und Übersetzer verabschieden musste. Mein Arbeitsplatz würde sich von da an auf das Büro begrenzen – und den Coffee-Shop gegenüber. Es ist nicht ganz korrekt, dass ich gar keine Tour mehr hatte, denn ich sollte noch eine Tour haben, aber letztendlich war ich dann nur einen Tag für die Gäste zuständig. Dabei hätte mir die Tour gut getan, denn nach nicht einmal zwei Wochen im Büro beginnt man die Touren und die Arbeit als Guide zu vermissen. Zudem hätte diese Tour wahrscheinlich gutes Trinkgeld bedeute, denn für den einen Tag Arbeit hatte ich schon ein schönes Sümmchen bekommen. Die machte es natürlich einerseits zu einem schönen allerletzten Tag als Tour Guide, doch andererseits hätte ich dann doch schon gerne die ganze Woche gemacht. Außerdem waren die Gäste auch wieder ganz nett gewesen… naja, so is dat Leben….
Die Arbeiten im Büro waren sehr simpel und in keinster Weise so herausfordernd wie das direkte Arbeiten mit den Gästen. So erstellte ich viele Statistiken, schrieb ein wenig oder suchte etwas im Internet heraus. Zwischen den Arbeiten kam es aber auch mal vor, dass man ein oder zwei Tage nichts zu tun hatte, was nicht allzu tragisch, zumindest nicht am Anfang, denn ich hatte noch viele Sachen im Internet zu lesen bzw. zu tun. Nebenbei fand ich heraus, dass Kingsoft Spreadsheet, sowas wie Excel, nur 65.536 Zeilen zur Verfügung stellt. Naja, was soll ich sagen, man wird komisch, wenn man nichts zu tun hat!
Zum Glück gab es noch ein Leben außerhalb der Arbeit. Besser gesagt, wir begannen eines zu finden, da es vor diesem Zeitpunkt kaum möglich war rauszukommen, da wir entweder am nächsten Tag früh auf eine Tour mussten oder überhaupt gar nicht da waren aufgrund der Touren. So begannen wir Kuching ein wenig genauer auszukundschaften und stießen dabei auf die Singgahsana Lodge, die ein Hostel ist, aber auch eine gemütliche Bar hat. In dieser Bar kann man Billiard spielen, trifft jeden Tag auf neue interessante Leute und es gibt Bier, sodass wir schließlich schnell Stammgäste wurden.
Natürlich gab es noch mehr in Kuching wie arbeiten und saufen. Ansonsten würde das Leben an so einem tollen Ort schon irgendwie traurig sein. Wir hatten das erste Mal Kontakt zu unserer zukünftigen Universität, die uns zu einem Ausflug einlud. Es sollte zu einem Schiff namens Logo’s Hope gehen, welches als fahrender Bücherladen um die Welt reist und alle zwei Monate in einer neuen Stadt anlegt. Hauptaufgabe ist es Lesen zu fördern und deshalb sind die Bücher, die dort angeboten werden auch ziemlich preiswert. Der Ausflug fand mit einigen anderen internationalen Studenten statt und wir wurden bei unserm Treffpunkt in der Uni sofort von einigen Studenten angesprochen, sodass wir gleich versuchen konnten uns ein paar Gesichter einzuprägen für später. Dies gelang mehr oder weniger gar nicht mal so gut, weil es recht viele waren. Das ein oder andere Gesicht blieb zu meiner Überraschung aber doch in Erinnerung. Der Ausflug war auch ganz schön, da es viele interessente Bücher gab und ich quasi von den Preisen dazu gedrängt wurde Bücher zu kaufen.
Ein anderes Highlight gab es dann die Woche darauf noch für mich. Bei dem Ausflug zu dem Bücherladen-Schiff wurde ich auch noch zu einem Basketballturnier eingeladen; 3 gegen 3 auf einen Korb. Ich freute mich riesig drauf, da mir der Teamsport doch schon fehlt, sodass ich ziemlich dankbar für diese Möglichkeit war. Es sollte an einem Samstag um acht Uhr losgehen, eine verdammt unchristliche Zeit, wenn ihr mich fragt. Aber die Chance Basketball zu spielen wollte ich mir nun einmal nicht entgehen lassen, sodass ich mich sieben Uhr morgens aus dem Bett raffte, naja, es war mehr 7:20. Zehn Minuten zum Duschen und Zähne putzen reicht ja auch. Unten wurde ich dann von meinen zwei chinesischen Mitspielern empfangen. Den einen hatte ich die Woche zuvor kennengelernt, den anderen lernte ich in diesem Moment kennen, Allen und Alvin (aber ohne Chipmunks). Im Auto war deren erste Frage, ob ich schon gefrühstückt hatte und hielten mir ein gepelltes, gekochtes Ei entgegen. Ich schaute auf das Ei und überlegte kurz, ob ich das Ei annehmen sollte aus Höflichkeit um es dann einfach später ins Gebüsch zu werfen oder ob ich es gar essen sollte. Das letztere schien mir dann aber doch zu verrückt und mein erster Gedanke schien mir auch nicht allzu korrekt, sodass ich log und meinte, dass ich ein ausgiebiges Frühstück hatte und ich absolut nichts mehr herunterbekomme. Naja, ich hatte ja noch meine Frühstückswasserflasche…
Angekommen bei dem Platz des Geschehens, bemerkte ich zuerst, dass noch nicht so viel geschah. Einige warfen ein paar Körbe und einige bauten immer noch auf, denn es war tatsächlich alles ein Jugendfest mit vielen verschiedenen Aktivitäten. Es war ca. 7:45 und laut der neuesten Meldung, sollte das Basketballturnier um 8:30 beginnen. Wenig später, es war 9:00 Uhr, bemerkte ich wie es so langsam wärmer wurde. Die Sonne stieg am Himmel empor und tauchte nun auch den Platz, wo die Spiele stattfinden sollten in goldenes Licht. Es sollte nun bald losgehen. Ca. 10 Uhr war es schließlich soweit und das Turnier begann. Ich verstand das System nur halbwegs, aber ich glaube es sollte jeder gegen jeden spielen. Die besten vier würden dann das Halbfinale ausspielen um dann unter sich die Teams für das Spiel um Platz drei und das Finale auszumachen. Jedes Spiel dauerte 2x5 Minuten. Unser Team war ganz okay und ich kam relativ schnell ins Spiel rein. Das einzige Manko waren die fehlenden Auswechselspieler, die jedes andere Team hatte. Dazu kam das immer heißer werdende Wetter, das nicht gerade in unsere Karten spielte. Nach dem dritten Spiel bemerkte ich die innerlich Hitze, die ich auch nicht mehr loswerden konnte, denn es war ja überall heiß und auch kalte Getränke halfen nur bedingt. Es sollten insgesamt noch drei Spiele folgen und es wurde von Spiel zu Spiel schwieriger die Konzentration aufrecht zu halten. Wir schafften es trotzdem unter die ersten vier, was uns zwei weitere Spiele einbrachte. Leider verloren wir das Halbfinale und anschließend das Spiel um Platz drei, was ärgerlich war, denn wären wir dritter geworden, hätten wir 100 MYR gewonnen. Aber Geld hin oder her, war es doch ein ziemlich cooles Erlebnis und es tat gut mal wieder ein bisschen zu zocken. Allerdings fühlte ich das nicht direkt nach dem Turnier, da ich absolut platt war. Nein, ich war platter als platt, als sei ich mehrere Male durch die Sahara gelaufen ohne Wasser und ohne Sonnenschutz, sodass ich mich erst einmal mit meinem neuen Sonnenbrand einen schönen, ausgedehnten Mittagschlaf gönnte.
Von nun an passierten die aufregenden Sachen also abseits der Arbeit, wofür ich auch mal ganz dankbar war, auch wenn die Touren ein absolut tolles Erlebnis gewesen sind. Die Arbeit im Büro gab uns auch die Möglichkeit nach möglichen Urlaustagen zu fragen, die wir dann auch ohne lange Diskussionen bekamen. So hatten wir Ende November/ Anfang Dezember das erste Mal offiziell Urlaub für insgesamt fünf Tage, welche für den ersten längeren Trip draufgehen sollten. Die Wahl viel dann auch ziemlich schnell auf eine größere Metropole, da wir mal wieder unter viele, viele Menschen wollten, wo alles ein wenig durchorganisierter und westlicher ist. So ging es also nach Singapur und darüber gibt es demnächst mehr… =)