Jetzt habe ich ja schon eine kleine Weile keinen Eintrag geschrieben, was nicht daran lag, dass ich es vergessen habe oder ich vom Krokodil gefressen wurde. Der Grund dafür war, dass ich ziemlich beschäftigt war die letzten Wochen. Zum einen habe ich meine ersten eigenen Touren geführt und zum anderen hatte ich nebenbei noch ein Projekt für Sport Management zu schreiben, welches ich Gott sei Dank nun los bin und diese Woche abgegeben habe. Ich werde mein Bestes geben um die letzten Wochen so genau wie möglich wiederzugeben, damit ihr auch rein gar nichts verpasst! ;-)
Langsames Abtasten
Am 8. Oktober musste ich das erste Mal zum Flughafen um meine ersten eigenen Gäste abzuholen. Es wurde ernst, da das persönliche Vergnügen für mich jetzt eher im Hintergrund stehen sollte. Es sollten gleich mal sechs an der Zahl sein mit denen ich nun 7 bzw. 10 Tage verbringen sollte. Daher war der erste Eindruck auch besonders wichtig. Ungemein aufgeregt war ich eigentlich nicht, denn so ein Flughafentransfer ist jetzt nicht das Schwerste auf der Welt, weil man einfach nur ein wenig allgemein erzählen muss. Aber erst einmal hieß es warten, denn der Flug hatte Verspätung.
Nach einer gefühlten Ewigkeit war es dann soweit und meine Gäste kamen. Sie machten einen sehr freundlichen Eindruck, obwohl noch ein wenig zurückhaltend, was aber ziemlich normal ist. Ich dachte mir einfach, dass sich das noch ändern wird und – so viel sei vorweggenommen- das tat es auch. Das einzige Problem war nur, dass ich bei der ersten Begegnung doch ein wenig aufgeregt wurde und dann teilweise nach deutschen Worten suchen musste. Ob es noch die Auswirkungen von dem vielen Englischsprechen war oder weil es doch jetzt meine erste Tour war, keine Ahnung. Jedenfalls legte sich das auch wieder mit der Zeit.
Am Abend hatte ich dann noch ein Abendessen mit den Gästen im einen Restaurant, welches sich auf Meeresfrüchte spezialisiert hat. Ich war vorher erst einmal dort gewesen und das Essen dort war einmalig, Fisch, Hühnchen, frische Garnelen in Butter gebraten, Reis und Gemüse. Beim Essen erfuhr ich dann etwas mehr über die Gäste und die Stimmung wurde lockerer, was ziemlich gut war. So ging mein erster Tag als offizieller Tour Guide zu Ende und zu Hause verbrachte ich noch einige Stunden um mich auf die Stadtrundfahrt am nächsten Tag vorzubereiten.
Der Härtetest
Der erste richtige Tag der Tour ist immer der Härtetest, denn man muss sich und den Gästen erstens immer noch beweisen, dass man genügend Wissen mitbringt und man redet einfach ziemlich viel. Das liegt daran, dass man zu den Orang Utans ca. 40 min mit dem Van fährt und die Gäste beschäftigt werden sollen. Außerdem gibt es extrem viele Informationen, die man weitergeben muss. Der Weg zu den Orang Utans war einfach für mich zu bewältigen, da ich über die Orang Utans mittlerweile sogar im Schlaf erzählen könnte, weil ich diese Tiere schon sehr interessant finde. Vielleicht habe ich sogar auf der Fahrt geschlafen, denn die Nacht war ziemlich kurz gewesen, weil ich mir einfach noch einmal so viel durchlesen wollte wie möglich um ja keine Fehlinfos zu geben. Morgens um 06.30 Uhr wurde nur der Wecker kurz 15 Minuten weitergestellt, was aber nicht sonderlich weiterhalf. Müde kroch ich unter die Dusche und zum Glück hatte ich diese Situation am Tag zuvor schon antizipiert, denn ich hatte mir Red Bull gekauft. Also wartete ich 5 Minuten nach dem Zähneputzen bevor ich mir das energiegebende Getränk hinterzog. Das Warten musste deswegen sein, damit man nicht diesen komischen Geschmack im Mund hat. Kenn ihr vielleicht, wenn man sich die Zähne putzt und 10 Sekunden später Orangensaft trinkt. Das ist echt gar nicht mal so gut! Aber der Red Bull verfehlte seine Wirkung nicht und ich fühlte mich bald wach genug um den Tag in Angriff nehmen zu können.
Bei den Orang Utans lief es ganz gut und die Gäste hatten die Chance so einige gute Schnappschüsse zu machen. Darum geht es ja auch für die Meisten, denn eine Erinnerung alleine ist nicht gut genug, da muss auch noch ein perfektes Bild diese unterstützen. So Geht mir ja genauso. Aber auf jeden Fall war ich erleichtert, dass die Affen zu sehen waren, denn das Risiko schwingt eben immer mit, dass man keine Affen sieht, wenn man sie in ihrer natürlichen Umgebung beobachten möchte.
Danach ging es zurück nach Kuching und in das Sarawak Museum um ein wenig über die Natur und die verschiedenen Kulturen Sarawaks zu informieren. Im Museum war es auch ganz gut anfangs bis ich in den Raum kam mit den vielen verschiedenen Vogelarten, die man in Sarawak bzw. auf Borneo finden kann. Es ist einfach unmöglich sich auf die Schnelle so viel Wissen über noch mehr Vögel anzueignen. Zum Glück hat man für solche Momente einen einheimischen Guide dabei – der aber in diesem kurzen Moment auch nicht da war. So musste ich mich also durch diesen Raum kämpfen, was letztendlich aber auch ganz gut geklappt hat.
Nach einer guten Weile in der Naturabteilung ging es in das erste Stockwerk zu den Kulturstücken. Ich konnte mich bisher wirklich nicht beklagen und ich hatte mir doch so einiges gemerkt bei meinen vorherigen Besuchen hier. Unglücklicherweise machte sich auf halber Strecke im oberen Stockwerk ein wenig Ungeduld breit bei meinen Gästen, weil sie anscheinend hunger bekamen, sodass wir das Tempo anzogen und das Museum kurz darauf verließen. Das war aber eigentlich auch gut so, weil ich schon lange vorher mordsmäßigen hunger bekommen hatte.
Nach einem guten Mittagessen ging es weiter mit der Stadtrundfahrt. Wir klapperten alle wichtigen Sehenswürdigkeiten ab und ich gab hier und da ein paar Informationen. Gegen Ende fing es dann doch noch an ordentlich zu regnen, sodass die Tour ein weniger kürzer wurde als gedacht, weil wir von nun an lieber auf das Laufen verzichteten. Schließlich kamen wir relativ trocken im Hotel an.
Der Tag war jedoch noch keineswegs zu Ende, da noch ein weiteres Abendessen gebucht war. Dieses Mal ging es in ein thailändisches Restaurant und wie war es nicht anders zu erwarten war, schmeckte das Essen sensationell. Nach ca. zwei Stunden wurden die Gäste zurück ins Hotel gebracht und für mich ging es in den Feierabend. Der erste Tag war geschafft!!!
Ein ruhiger Tag
Der nächste Tag fing um einiges entspannter an, da der Vormittag frei war – eigentlich! Doch ausgerechnet an diesem Tag mussten wir zur Einreisebehörde von Sarawak um unser endlich unser Visum ausgestellt zu bekommen. Da wir die nächsten Wochen immer auf Tour sein würden, war dies so ziemlich die einzige Möglichkeit, sodass wir um 9 Uhr abgeholt wurden und dorthin fuhren. Nach zwei Stunden war das Ding erledigt und ich war bereit um mit meinen Gästen nach Permai in das Rainforest Resort zu fahren, wo wir nun für vier Nächte bleiben würden.
12.30 Uhr ging es los und die Fahrt war der leichte Teil, weil ich hier und da mal etwas erklärte sowie Fragen beantwortete, sofern welche gestellt wurden. In Permai half ich beim Check-In und hatte von da an bis 17 Uhr Zeit bis es auf Mangrovenfahrt gehen sollte. Die Zeit nutzte ich um an Sport Management ein wenig weiterzuarbeiten, obwohl ich mich wieder leicht von anderen Dingen ablenken ließ, so wie das eben läuft, wenn man schreiben muss, aber eigentlich keine große Lust verspürt.
Zum Glück war die Quälerei bald darauf zu Ende und es ging auf Mangrovenfahrt. Wir sahen einige Nasenaffen und hatten einen schönen Sonnenuntergang. Als es dunkel war suchten wir nach den Krokodilen, deren Augen das Licht der Starklampen rot reflektierten. Leider sahen wir wiedermal kein ganzes Krokodil, sondern nur ein paar rote Augen. Ein wenig Pech also, aber wir würden ja am nächsten Tag eine weitere Chance haben, Krokodile zu suchen. Nach ca. drei Stunden war auch diese Tour zu Ende und für mich damit auch der Arbeitstag.
Pech und Glück so nah beieinander
Am nächsten Tag ging es auf die 3 in 1 Tour, d.h. Delfine beobachten, Krokodile in den Mangroven suchen und zu der Schildkröteninsel Satang. Dabei ging es mir persönlich am meisten um die Krokodile, da ich diese Tiere am spannendsten finde. Normalerweise ist dies auch die schwierigere Aufgabe, wohingegen die Irawadi-Delfine recht leicht aufzuspüren sind. Dieses Mal war es etwas anders, denn der Bootsmann hatte erwähnt, dass er die ganze Woche eher selten Delfine gesehen hat, da der Monsun die Meeresströmungen verändert, der wiederum Einfluss auf die Fischbestände hat. Ja und die Krokodile – die waren natürlich so schwer zu finden wie immer.
Bei der Suche nach den Delfinen trat dann auch die Befürchtung ein und wir sahen absolut keinen einzigen, obwohl wir absolut fantastische Sicht hatten. Wir fuhren einige Runden im Boot, doch es nützte nix, einfach Pech gehabt. Danach ging es in die Mangroven und ich betete einfach, dass sich doch wenigstens ein kleines Krokodil zeigen würde – und sie wurden erhört! In einem kleinen Seitenarm zwischen den Mangroven fanden wir ein schönes Exemplar, was vielleicht um die zweieinhalb Meter lang war. Es lag superruhig da und man hatte genug Zeit Fotos und Videos zu machen. Nach einiger Zeit wollte ich aber, dass sich das Krokodil ins Wasser verkriecht, weil das noch einmal ein Highlight für die Kamera wäre. Aber es blieb seelenruhig liegen. Vielleicht war das auch besser so, denn wenn so ein Tier sich plötzlich aufmacht und sogar auf das Boot zu rennt, kann es schon für Aufregung sorgen, nicht nur weil wir direkt an der Flussbank lagen.
Da wir dem Krokodil von vorne direkt in die Augen schauten könnte es deswegen solange dort liegen geblieben sein, weil es uns nicht hören konnte. Deswegen veränderte der Bootsmann nun die Position ein wenig, damit wir die volle Größe des Tieres bewundern konnten. Wir waren alle mit dem Fotografieren und dem Filmen fertig geworden und hatten uns schon damit abgefunden, dass das Krokodil ewig so liegen bleiben würde, doch dann passierte es und das Krokodil stützte sich ganz plötzlich hoch und rannte wild los….
So das war es bis hierhin für das Erste und was hasst man bei Filmen oder Serien immer zu lesen? – RICHTIG – „Fortsetzung Folgt…“!!!