Samstag, 8. Oktober 2011

Zu Besuch bei den Kopfjägern

Es ist schon einige Zeit her, aber Zeit rennt einfach schneller als man schreiben kann, daher berichte ich jetzt erst von meinen Besuchen in den Langhäusern hier in Sarawak. Das Volk der Iban ist heute zwar für Ihre unendliche Gastfreundschaft bekannt, aber waren früher die gefürchtetsten Krieger in Sarawak. Eine Tradition war die Kopfjagd, die dazu da waren stärker zu werden, heiraten zu können oder sonst höheren Status zu erringen.

Langhäuser werden die Häuser der Iban genannt, einem der einheimischen ethnischen Gruppen. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie in einem ganz, ganz langen Haus wohnen – und zwar alle zusammen. Deswegen Langhaus. Das war leicht, ne? ;)

Janee, aber das Besondere an diesen Häusern ist, dass es einen großen Gemeinschaftsraum gibt in dem so das alltägliche Leben abgeht und dazu hat dann jede Familie einen privaten Raum. Dieser ist dann aber eigentlich nicht so privat, wenn man sich überlegt, dass in einem Raum durchschnittlich 5-8 Familienmitglieder wohnen und dieser Raum Wohnzimmer, Schlafzimmer und Spielzimmer vereint. Die Küche ist einzeln, aber auch recht spärlich eingerichtet. Nur der Häuptling haut auf die Kacke und bekommt gleich mal einen doppelt so großen Raum.

Das praktische an den Langhäusern ist auch noch, dass sie auf Pfählen gebaut sind, zum einen aus Verteidigungszwecken sowie wegen der Fluten, aber diese erleichtern auch die Hausarbeit. Beispiel: Nach dem Kochen liegt so ziemlich viel Zeug auf dem Boden auf den Ablagen, welche kein richtiger Teppich sind, sondern eher so eine Kunststofftischdecke (schwer zu beschreiben, aber nehmt das einfach mal so hin, irgendwann schiebe ich mal ein Foto nach). Zudem sind die Bodenbretter nicht wirklich dicht an dicht gezimmert sondern immer mit einer kleinen Lücke. Nun kennen wir es ja von zu Hause, dass man Dreck gerne mal unter den Teppich oder unter das Bett kehrt und hinter sagt, dass man aufgeräumt hat (*hust**hust*, ich rede hier bestimmt nicht von mir). Das Ding ist, die Iban machen das wirklich, weil ihre Häuser so gebaut sind. Also, ich schlussfolgere: wenn mein Zimmer einen ähnlichen Baustil gehabt hätte, wäre es um einiges öfter richtig sauber gewesen. Jetzt ist mir alles klar!

Zum Langhaus sind wir übrigens mit den Langboten bekommen, denn die Flüsse sind sozusagen die Straßen der einheimischen Völker hier. Zu einigen Langhäusern braucht man Tage, manchmal sogar Wochen, kommt auf das Wetter an. Bei meiner ersten Langhaus Tour konnten wir nicht wie geplant zu einem bestimmten Langhaus, weil der Wasserstand zu hoch durch den Regen von der letzten Nacht. Der Wasserstand alleine ist nicht das Schlimmer, sonder das Holz was im Wasser treibt und die Strömung ist auch nicht ohne. An dem Tag sind wir einfach zu einem Langhaus gefahren, was eine Straßenanbindung hat.

Bei meiner zweiten und dritten Langhaus Tour hat dagegen alles geklappt wie geplant. Da sich die Langhäuser generell sehr, sehr ähneln, packe ich das mal alles in eine Schublade. Ich komme also mit den Gästen und dem Guide beim Langhaus an, wo wir freundlich begrüßt werden und erst einmal ein Glas Tuak, oder Reiswein, bekommen. Trinken um 10 Uhr morgens…. Da sind wa dabei, das is pri - hi – ma, Viva… ja also, jetzt bin ich kurz abgeschweift… sorry!

Janee, jedenfalls kamen wir in das Langhaus und es war eigentlich so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Ich meine, es ist klar, dass die Iban nicht mehr wie vor 50 oder 100 Jahren leben sondern das moderne Zeitalter ist auch hier angekommen. Viele Familien haben einen Fernseher, Kühlschrank, Ventilatoren, Licht, Messer und Gabel und das ganze Pipapo. Nur mit der Elektrizität müssen sie ein wenig haushalten, da es nur Generatoren gibt.

Die Iban halten sich tagsüber im Ruei, oder Gemeinschaftsraum auf, wo sie miteinander quatschen, ihrer Arbeit nachgehen, wie Körbe flechten oder Sachen schnitzen, oder auch einfach nur chillen. Nach einem Rundgang im Langhaus wurden wir vom Häuptling begrüßt und kurz darauf führten uns die Iban den Willkommens- sowie den Kriegstanz vor. Nach den Tänzen wurden alle Personen aufgefordert mit in das Tanzen einzusteigen. Das gute ist, dass man sich eigentlich bewegen kann wie man will und nur den Iban folgen muss. Sieht sicherlich nicht gerade elegant aus Sich der Iban, aber passt schon.

Nach der Tanzvorführung konnten wir uns noch ein wenig die Umgebung ansehen, bevor es schließlich Essen gab. Und das Essen… einfach sagenhaft! Es wird alles frisch zubereitet und das schmeckt man auch. Das genaue Menü kann durchaus variieren, aber Hühnchen ist immer dabei sowie Dschungelfarn. Dann liegt es beim Guide, was er am liebsten kauft und es kann noch Fisch sein, Ananas, Tomaten, Kürbis etc. Aber es schmeckt alles. Nach dem Mittag lernten wir noch den Umgang mit der Jagdwaffe der Iban, dem Blasrohr, und konnten es ein wenig ausprobieren.

Danach ging es zurück mit dem Langboot zum Van bzw. zurück zum Resort. Die Langhäuser sind definitiv eine Reise wert und die Leute sind sehr herzlich und freuen sich über jeden Touristen, der ihre Kultur kennenlernen will.

Einen habe ich noch. Auf einer Tour sollte ich in die Küche aufpassen, dass sich die Iban nicht etwas von unserem Essen abzapfen. Nun ging ich in den Raum, wo angeblich unser Essen stand und traf auf eine Gruppe von Iban Frauen. Das Problem war nur, dass ich sie nicht verstehen konnte und sie mich genauso wenig, sodass ich mich Sekunden später wieder draußen vor der Tür befand. Ich wurde also quasi rausgeworfen. Dann regelte sich das aber glücklicherweise, da mir ein Tour Guide zu Hilfe kam und übersetzte. Dann wurde ich schließlich in die Küche gelassen. So, da stand ich nun also… eine Minute, zwei Minuten, drei, vier, fünf, und während die Frauen begannen das Essen zuzubereiten, stand ich einfach nur so da und guckte wahrscheinlich wie so ein Auto. Ich glaube, die merkten sehr wohl, dass ich so eine Art Aufpasser war, damit das Hühnchen nicht wegläuft und wollten mich deswegen mehr als nur einmal aus der Küche haben, aber ich blieb einfach mal so stehen. Schließlich gaben sie mir eine Alibiaufgabe und ich begann Knoblauch zu schneiden. Als ich damit fertig war, begann ich wieder wie ein Auto durch die Gegend zu gucken. Es war insgesamt eine irgendwie komische Situation, weil ich ja auch nicht mit den reden konnte. Ich habe zwischendurch einfach auch mal mit einigen deutschen Worten geantwortet, als sie mich auf Iban angesprochen hatten, einfach so um auch etwas zur allgemeinen Verwirrung beizusteuern. Was die können, kann ich schon lange, ha!

Zwischendurch kamen zum Glück unser Tour Guide und die deutschen Gäste vorbei, sodass die Situation ein wenig aufgelockert wurde. Auf jeden Fall eine…. Erfahrung und es war eigentlich ganz interessant zu sehen, wie das Essen zubereitet wird! Aso, und die Iban hatten sich übrigens nichts abzwacken können, also alles richtig gemacht! =)

Wie gesagt, das Langhaus ist schon etwas Besonderes und Einzigartiges hier in Sarawak und wenn man schon einmal hier ist, muss man einfach so eine Tour mitmachen, finde ich!!!

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