Bevor ich meine ersten Gäste zum Flughafen fahren konnte, kam schon der Nachschub aus Deutschland. Die eine Tour war also nicht einmal richtig beendet, schon ging die neue los. Es war ein älteres Paar, welches zuvor einige Tage in Singapur verbracht hatte. Von Anfang an hatte ich das Gefühl, das es eine gute Tour werden würde. Dieses erste Gefühl sollte sich bestätigen. Schon bei der Fahrt zum Hotel merkte ich, dass die beiden sehr interessiert sind und ich mich auf viele Gespräche und Fragen vorbereiten konnte. Glücklicherweise waren die ersten Fragen eher Standard, die ich schon im Halbschlaf beantworten konnte.
Vom Timing passte es letztendlich auch sehr gut und als ich meinen Gästen beim Check-in im Hotel half, erspähte ich schon meine Gäste von der ersten Tour, die bereit für den Abflug waren, sodass das ein flüssiger Übergang war. Bei dem Abschied dieser Gäste gab es keine Probleme mehr - nur noch zufriedene Gesichter - und Trinkgeld. ;-)
Am nächsten Tag begann also meine zweite Tour wie die erste, mit den Orang Utans und der Stadtrundfahrt. Auf die Orang Utans freue ich mich eigentlich immer, denn es macht Spaß sie zu beobachten und über sie zu erzählen. Ich konnte bisher auf keiner Tour alles erzählen, was ich eigentlich weiß und so sollte es auch diesmal kommen, weil die Gäste selber auch sehr gerne erzählten. So versuchte ich also wieder, so viele Informationen wie möglich weiterzugeben ohne die Gäste mit Wissen zu erdrücken. Auf dieser Tour war es ohnehin wahrscheinlicher, dass sie mich mit ihren Fragen erdrücken würden.
Danach sollte es zurück nach Kuching auf die Stadtrundfahrt gehen. Auf die freute ich mich nicht so sehr, wahrscheinlich, weil es keine Tiere zu sehen gab. Aber dies durfte natürlich keinen Unterschied machen. Auf der Rückfahrt von den Orang Utans nach Kuching sollte ich eigentlich immer ein wenig über die Geschichte Sarawaks sowie Kuchings erzählen - aber ich kam dieses Mal einfach nicht dazu, denn die Gäste stellten viele Fragen und verwickelten mich immer wieder in interessante Gespräche. Die Geschichte hätte zu keinem Zeitpunkt reingepasst, sodass ich mich dazu entschied das einfach woanders zu erzählen, was sich zu diesem Zeitpunkt einfacher anhörte als es dann der Fall war. Letztendlich schaffte ich es aber doch von der Geschichte Kuchings zu erzählen während wir zu einem späteren Zeitpunkt durch die Straßen schlenderten. Diese Stadtrundfahrt war dann auch die längste, die ich wahrscheinlich je machen werde, was an dem Interesse der Gästen lag und es bestätigte sich auch, was ich mir den Tag zuvor gedacht hatte. Von dort an war ich mir hundertprozentig sicher, dass es eine sehr gute und lockere Tour werden würde.
Da es für die nächsten drei Tage wieder nach Batang Ai gehen sollte, möchte ich hier nicht zu viel wiederholen und überspringe einen Großteil von den Erlebnissen, weil diese sich mit vergangenen in vielen Aspekten ähneln. Die Gäste jedenfalls hatten eine schöne Zeit und fanden es interessant die Kultur kennenzulernen. Auch ich habe wieder etwas Neues gelernt, denn der Häuptling hat das erste Mal von seiner Jugendzeit erzählt und von seinen Vorfahren, denn sein Urgroßvater hat noch traditionell Köpfe gejagt. Sein Großvater und Vater hatten zudem während des zweiten Weltkrieges die Japaner bekämpft als die Kopfjagd für kurze Zeit wieder erlaubt wurde. Es ist alles also gar nicht so lange her, was einem schon ein mulmiges Gefühl gibt. Zum Glück gab es dann Essen, sodass unsere Aufmerksamkeit auf die wahnsinnig großzügige Gastfreundschaft der Ibans gelenkt wurde. Bei dem Essen vergisst man schnell über deren weniger freundliche Traditionen.
Nach der Rückkehr nach Kuching und dem Transfer zum Damai Beach Resort hätten die Gäste eigentlich Freizeit gehabt, doch ich schaffte es ihnen den Bako Nationalpark schmackhaft zu machen, sodass sie auch noch diese Tour zusätzlich kauften. Es war einerseits mein Pech, da ich nun einen freien Tag verlor und ich am Tag danach schon wieder neue Gäste kommen sollten. Andererseits werde ich für die Touren bezahlt, sehe Tiere, habe Spaß und bekam in diesem Fall auch noch Kommission für den Verkauf der Tour. Also die Vorteile errungen einen klaren Sieg gegenüber den Nachteilen.
Bako war wieder einmal ein absolut genialer Tag und die Nasenaffen liefen wiederholt zu Höchstform auf. Sie passierten uns auf der Wanderung und blieben dann in den Bäumen sitzen, sodass wir seelenruhig Fotos machen konnten. Es schien beinahe als ob die Affen uns verfolgten, damit sie fotografiert werden. Die Gäste kamen also auch auf ihre Kosten und bereuten es nicht, dass sie sich von mir diese Tour hatten aufschwatzen lassen.
So ging meine zweite Tour zu Ende und auch diese Gäste würden Borneo mit einem glücklichen Gesicht verlassen! Meine Arbeit war getan und ich kehrte nach Hause zurück, aber es sollte nur eine Nacht dauern, bis es neue Arbeit geben würde.
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