Freitag, 16. Dezember 2011

Locker, flockig durch die zweite Runde

Bevor ich meine ersten Gäste zum Flughafen fahren konnte, kam schon der Nachschub aus Deutschland. Die eine Tour war also nicht einmal richtig beendet, schon ging die neue los. Es war ein älteres Paar, welches zuvor einige Tage in Singapur verbracht hatte. Von Anfang an hatte ich das Gefühl, das es eine gute Tour werden würde. Dieses erste Gefühl sollte sich bestätigen. Schon bei der Fahrt zum Hotel merkte ich, dass die beiden sehr interessiert sind und ich mich auf viele Gespräche und Fragen vorbereiten konnte. Glücklicherweise waren die ersten Fragen eher Standard, die ich schon im Halbschlaf beantworten konnte.

Vom Timing passte es letztendlich auch sehr gut und als ich meinen Gästen beim Check-in im Hotel half, erspähte ich schon meine Gäste von der ersten Tour, die bereit für den Abflug waren, sodass das ein flüssiger Übergang war. Bei dem Abschied dieser Gäste gab es keine Probleme mehr - nur noch zufriedene Gesichter - und Trinkgeld. ;-)

Am nächsten Tag begann also meine zweite Tour wie die erste, mit den Orang Utans und der Stadtrundfahrt. Auf die Orang Utans freue ich mich eigentlich immer, denn es macht Spaß sie zu beobachten und über sie zu erzählen. Ich konnte bisher auf keiner Tour alles erzählen, was ich eigentlich weiß und so sollte es auch diesmal kommen, weil die Gäste selber auch sehr gerne erzählten. So versuchte ich also wieder, so viele Informationen wie möglich weiterzugeben ohne die Gäste mit Wissen zu erdrücken. Auf dieser Tour war es ohnehin wahrscheinlicher, dass sie mich mit ihren Fragen erdrücken würden.

Danach sollte es zurück nach Kuching auf die Stadtrundfahrt gehen. Auf die freute ich mich nicht so sehr, wahrscheinlich, weil es keine Tiere zu sehen gab. Aber dies durfte natürlich keinen Unterschied machen. Auf der Rückfahrt von den Orang Utans nach Kuching sollte ich eigentlich immer ein wenig über die Geschichte Sarawaks sowie Kuchings erzählen - aber ich kam dieses Mal einfach nicht dazu, denn die Gäste stellten viele Fragen und verwickelten mich immer wieder in interessante Gespräche. Die Geschichte hätte zu keinem Zeitpunkt reingepasst, sodass ich mich dazu entschied das einfach woanders zu erzählen, was sich zu diesem Zeitpunkt einfacher anhörte als es dann der Fall war. Letztendlich schaffte ich es aber doch von der Geschichte Kuchings zu erzählen während wir zu einem späteren Zeitpunkt durch die Straßen schlenderten. Diese Stadtrundfahrt war dann auch die längste, die ich wahrscheinlich je machen werde, was an dem Interesse der Gästen lag und es bestätigte sich auch, was ich mir den Tag zuvor gedacht hatte. Von dort an war ich mir hundertprozentig sicher, dass es eine sehr gute und lockere Tour werden würde.

Da es für die nächsten drei Tage wieder nach Batang Ai gehen sollte, möchte ich hier nicht zu viel wiederholen und überspringe einen Großteil von den Erlebnissen, weil diese sich mit vergangenen in vielen Aspekten ähneln. Die Gäste jedenfalls hatten eine schöne Zeit und fanden es interessant die Kultur kennenzulernen. Auch ich habe wieder etwas Neues gelernt, denn der Häuptling hat das erste Mal von seiner Jugendzeit erzählt und von seinen Vorfahren, denn sein Urgroßvater hat noch traditionell Köpfe gejagt. Sein Großvater und Vater hatten zudem während des zweiten Weltkrieges die Japaner bekämpft als die Kopfjagd für kurze Zeit wieder erlaubt wurde. Es ist alles also gar nicht so lange her, was einem schon ein mulmiges Gefühl gibt. Zum Glück gab es dann Essen, sodass unsere Aufmerksamkeit auf die wahnsinnig großzügige Gastfreundschaft der Ibans gelenkt wurde. Bei dem Essen vergisst man schnell über deren weniger freundliche Traditionen.

Nach der Rückkehr nach Kuching und dem Transfer zum Damai Beach Resort hätten die Gäste eigentlich Freizeit gehabt, doch ich schaffte es ihnen den Bako Nationalpark schmackhaft zu machen, sodass sie auch noch diese Tour zusätzlich kauften. Es war einerseits mein Pech, da ich nun einen freien Tag verlor und ich am Tag danach schon wieder neue Gäste kommen sollten. Andererseits werde ich für die Touren bezahlt, sehe Tiere, habe Spaß und bekam in diesem Fall auch noch Kommission für den Verkauf der Tour. Also die Vorteile errungen einen klaren Sieg gegenüber den Nachteilen.

Bako war wieder einmal ein absolut genialer Tag und die Nasenaffen liefen wiederholt zu Höchstform auf. Sie passierten uns auf der Wanderung und blieben dann in den Bäumen sitzen, sodass wir seelenruhig Fotos machen konnten. Es schien beinahe als ob die Affen uns verfolgten, damit sie fotografiert werden. Die Gäste kamen also auch auf ihre Kosten und bereuten es nicht, dass sie sich von mir diese Tour hatten aufschwatzen lassen.

So ging meine zweite Tour zu Ende und auch diese Gäste würden Borneo mit einem glücklichen Gesicht verlassen! Meine Arbeit war getan und ich kehrte nach Hause zurück, aber es sollte nur eine Nacht dauern, bis es neue Arbeit geben würde.

Dienstag, 29. November 2011

Zu den Kopfjägern und zurück – mit Kopf!

Diesen Teil der Tour mit den verbliebenen zwei Personen werde ich nicht als Tagesübersicht wiedergeben, da ich schon in der Vergangenheit von den Langhäusern und der Tour berichtet habe.

Die Fahrt nach Batang Ai

Wovon ich noch nicht berichtet habe ist die Fahrt nach Batang Ai, soweit ich mich zurückerinnern kann. Das ist ziemlich seltsam, da die Fahrt zwar relativ lang ist, aber man viel zu sehen bekommt und an einigen interessanten Stellen anhält. Zuerst ging es mit dem Van nach Kuching um das schwere Gepäck im Hotel zwischenzulagern, denn mit wenig lässt es sich besser reisen. Der nächste Stopp war in Serian auf einem Frischwarenmarkt südlich von Kuching. Diesen Markt gibt es täglich, wo sich malaysische und indonesische Händler treffen um ihre Ware zu verkaufen. Als ich dort das erste Mal war, kannte ich die meiste angebotene Ware nicht. – Und wenn ich es mir jetzt recht überlege, hat sich daran nicht sehr viel geändert, obwohl ich schon viel mehr auseinanderhalten kann. Aber das Problem, dass man mit seinen Gästen über den Markt geht und dann manchmal den Schultern zucken muss, wenn man gefragt wird, was denn dieses oder jenes sei. Meistens schlägt man vor, dass man ein Foto nehmen könnte um dann anschließend den Guide zu fragen. Dieser ist meistens sofort das Essen einkaufen für den nächsten Tag im Langhaus. Aber einfacher ist es selbst direkt die Waren zu zeigen, die man kennt um Fragen von Anfang an aus dem Weg zu gehen.

Nachdem wir an den Gemüse-und Früchteständen vorbeigegangen sind, kamen wir zu dem Teil des Marktes, wo man etwas zu essen bzw. Süßes kaufen konnte. Dieser Teil ist auch häufig sehr beliebt unter den Gästen, kann man doch viele neue Sachen ausprobieren. An diesem Tag hatte ich das Glück und wurde einige Male von meinen Gästen eingeladen. Anschließend kamen wir zum Fischmarkt an dessen Ende leider auch illegale Tiere angeboten werden, wie beispielsweise Python bzw. Eidechse oder Krokodil (es könnte beides gewesen sein, wobei ich eher zu Eidechse tendiere). Solche Aktivitäten gibt es eben auch, besonders auf dem Land, aber man muss eben auch berücksichtigen, dass viele Leute in Armut leben und auf das Geld von solchen Waren angewiesen sind. Aber schön ist sowas natürlich nicht und so etwas müsste bekämpft werden.

Nach dem Besuch des Frischwarenmarktes ging die Reise weiter und der nächste Stopp war eine Pfefferfarm. Ja, wir waren jetzt dort, wo der Pfeffer wächst! Dort erzählte ich mehr über den Pfefferanbau in Sarawak und wie dieser hergestellt wird.

Von dort aus geht es dann zum Mittagessen in einen kleinen Ort nahe der indonesischen Grenze. Das Essen ist auch dort köstlich und ich kann mich an keinen Ort erinnern, wo ich das Essen mal nicht gut fand. Ich glaube dafür muss man hier schon ziemlich suchen. In diesem Ort kauft man dann auch die Geschenke für die Iban. Die Geschenke sind sehr wichtig und es sollte viel sein, wobei die Qualität relativ egal ist. Deswegen kauft man meistens Süßigkeiten für die Familien. Die Quantität ist deswegen wichtig, da die Iban sehr auf Fairness achten und das keine Familie mehr wie die andere bekommen darf. Da in einem Langhaus normalerweise ungefähr 35 bis 40 Familien wohnen, ist es wichtig viel zu kaufen.

Vollgefuttert ging es dann auf die letzte Etappe nach Batang Ai, die auch noch einmal rund zwei Stunden dauerte. Wie gesagt, es ist eine ziemlich lange Fahrt, welche aber angenehmer gestaltet wird durch die Zwischenstopps und die Landschaft, die man zu Gesicht bekommt, denn man fährt vorbei an Reisplantagen, Regenwaldflächen, Hügeln und Palmölplantagen (welche man nicht sooft sehen müsste, aber es ist dennoch interessant diese mal zu sehen).

Letztendlich kommt man müde und geschafft am Batang Ai Stausee an und freut sich schon auf das Langhaus Resort. Jedenfalls geht es mir immer so, aber der Ausblick kurz darauf am Pool relaxen zu können, macht es dann doch wieder erträglich. Mit der Fähre setzen wir rüber in das Resort und können den Tag von dort an frei gestalten.

Der Besuch im Langhaus

Heute ging es also für mich wieder einmal zu einem Besuch ins Langhaus, was eigentlich immer schön ist. Dieser Ausflug sollte allerdings der bisher Beste werden. Am Abend zuvor hatte ich noch erfahren, dass ich zwei Tage später, bevor ich meine jetzigen Gäste zum Flughafen bringe, zuerst meine neuen Gäste abholen würde. Klang für mich im ersten Moment ziemlich seltsam, da es auch von der Zeit her knapp bemessen war, aber es sollte alles funktionieren. Aber es bestätigte sich, dass es im Oktober Schlag auf Schlag mit den Touren ging.

Als wir im Langhaus waren, zeigte ich meinen Gästen zuerst die Umgebung und dann das Langhaus selber. Nachdem wir dies geschafft hatten, ging es schon los mit dem Kriegs-und Willkommenstanz sowie dem ersten Reiswein bzw. –schnaps. Nach den Tänzen sahen wir uns noch etwas mehr um bevor wir ein Blick in das Zimmer des Häuptlings warfen und schließlich in seine Küche, wo unser einheimischer Guide das Mittagessen zubereitete. Dort war auch derjenige, der den Kriegstanz aufgeführt hatte, der uns sofort zu weiterem Reisschnaps einlud. So saßen wir also in der Runde und das Glas ging reihum und die Reisschnapsflasche leerte sich immer weiter. An einem bestimmten Punkt meinten die Gäste dann auch, dass sie einen Gang runter schalten müssten. Auf jeden Fall war es ziemlich lustig in so einer Runde zu sitzen, einfach nur mit den Einheimischen zu reden und einen mit ihnen zu trinken. So hatte man das Gefühl die gesamte Gastfreundschaft von den Einheimischen zu erfahren und deren Kultur recht nahe zu sein. Das hatte ich vorher so noch nicht erlebt, dass sich die Gäste so einfach mit zu den Einheimischen setzen und einfach auch die Nähe zu der fremden Kultur aktiv suchen. Das fand ich richtig gut!

Das Mittagessen war dann noch ein weiteres Highlight, denn zu den bisher bekannten Sachen, kam noch Fisch dazu – genauer gesagt. Red Tilapia. Lecker, fantastisch trifft es nicht einmal im Geringsten. Das war der beste Fisch, den ich in einer sehr, sehr langen Zeit gegessen habe. Auch die Gäste waren von der Kochkunst unseres einheimischen Guides begeistert und meinten, dass das Essen im Langhaus besser war wie in dem Resort, welches nebenbei von Hilton verwaltet wird. Daher sollte unser Guide sich mal als Chefkoch in dem Resort bewerben. Er meinte aber nur, dass er nicht gerne an einem festen Platz ist und lieber rumkommt. So ist es definitiv auch gut.

Das waren die Highlights des Tages. Ich sollte mich schon fünf Tage später wieder hier befinden, mit neuen Gästen. Die Rückfahrt am nächsten Tag nach Kuching verlief ohne große Ereignisse, wobei wir wieder einige Stopps einlegten, u.a. sahen wir einen Iban-Friedhof, wilde Orchideen und Kannenpflanzen. Dann machten wir noch in einem beliebten Familienpark Halt um Mittag zu essen. Geschafft von der Fahrt kamen wir dann in Kuching an und ich freute mich auch mal wieder zu Hause zu sein. Am nächsten Tag sollte meine erste Tour dann endgültig zu Ende gehen, aber zugleich auch eine neue beginnen. Besonders mit dem letzten Teil dieser Tour war ich sehr zufrieden und die Gäste hätten nicht besser und freundlicher sein können. Ich war auf jeden Fall glücklich, dass es ihnen gefallen hat, denn darauf kommt es letztendlich an. Es ist ein gutes Gefühl, wenn die Gäste am Ende sagen, dass es ihnen sehr gefallen hat und speziell bei diesen Gästen, dass das Langhaus mit das größte Highlight in diesem Urlaub war.